Katholische Kirche verbietet Abschalten lebenserhaltender Apparate

Durch die Möglichkeit der künstlichen Ernährung (Details hier) können komatöse und appalische Patienten Jahre, im Extremfall Jahrzehnte, am Leben gehalten werden. Viele Patienten lehnen dies für sich ab und ordnen in einer Patientenverfügung an, dass sie derartige Maßnahmen nicht wollen. Rechtlich ist eine solche Anordnung prinzipiell bindend (wenn auch im Detail vieles streitig ist, siehe: hier). Wie ist die Haltung der katholischen Kirche zu dieser Frage?

Die katholische Kirche hat eine dezidierte Haltung zur künstlichen Ernährung bewusstloser Patienten: Sie muss durchgeführt werden.

Die Glaubenskongregation in Rom hat dies erst im September 2007 erneut ausdrücklich bestätigt: Nach Ansicht der Kirche ist die Versorgung durch eine Magensonde Teil der normalen Pflege, die aus Respekt vor ihrer Menschenwürde nicht beendet werden dürfe. Auch wenn der Betroffene dies in einer Patientenverfügung anders angeordnet hat. Das Urteil der Glaubenskongregation wurde durch den Papst bestätigt und entfaltet somit seine unmittelbare Verbindlichkeit nicht nur für die katholischen Krankenhäuser und Pflegeheime, sondern auch für die Angehörigen der katholische Kirche. Das Dekret ist die Antwort auf eine Anfrage der US-Bischofskonferenz.

Diese Haltung der katholischen Kirche ist nicht neu. Bereits 2004 hatte Papst Johannes Paul II das katholische Leitbild hinsichtlich künstlicher Ernährung präzisiert:

„Der Kranke im vegetativen Zustand, der die Wiederherstellung oder das natürliche Ende erwartet, hat das Recht auf eine grundlegende ärztliche Betreuung (Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit, Hygiene, Wärme usw.) und auf die Vorsorge gegen Komplikationen, die mit der Bettlägerigkeit verbunden sind. Er hat auch das Recht auf einen gezielten rehabilitativen Eingriff und auf die Überwachung der klinischen Zeichen einer eventuellen Besserung. – Insbesondere möchte ich unterstreichen, dass die Verabreichung von Wasser und Nahrung, auch wenn sie auf künstlichen Wegen geschieht, immer ein natürliches Mittel der Lebenserhaltung und keine medizinische Handlung ist. Ihre Anwendung ist deshalb prinzipiell als normal und angemessen und damit als moralisch verpflichtend zu betrachten, in dem Maß, in dem und bis zu dem sie ihre eigene Zielsetzung erreicht, die im vorliegenden Fall darin besteht, dem Patienten Ernährung und Linderung der Leiden zu verschaffen. – Denn die Pflicht, dem Kranken in solchen Fällen die gebotenen normalen Behandlungen nicht vorzuenthalten, umfasst auch die Versorgung mit Nahrung und Wasser.“

Ansprache Papst Johannes Paul II an die Teilnehmer des Internationalen Fachkongresses zum Thema „Lebenserhaltende Behandlungen und vegetativer Zustand (17.-20. März 2004)

Aus katholischer Sicht ist die Entfernung einer Magensonde nicht legitim, auch wenn eine gültige Patientenverfügung dies anordnet. Nicht allen Katholiken ist dies in dieser Deutlichkeit bewusst.

Weitere Informationen zum Thema:

Stellungnahme Vizeoffizial Mag. Mag. Dr. Alexander PYTLIK (Katholische Nachrichten 06.08.2005)

Katholische Kirche verweigert Begräbnis für Welby (Spiegel Online vom 22.12.2006)

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