Künstliche Ernährung am Lebensende: Sinnvoll?

In Heimen und Kliniken stellt sich täglich die Frage: PEG-Sonde, ja oder nein? In den meisten Fällen wird diese mit ja beantwortet, die Sonde wird also „erst einmal“ gelegt. Etwa 140.000 pro Jahr. Nicht immer ist das zum Wohl des Patienten. Künstliche Ernährung ist nämlich häufig medizinisch gar nicht sinnvoll (Mediziner sagen „indiziert“), …

entweder noch nicht (weil eine natürliche Ernährung noch möglich ist) oder nicht mehr (weil der Sterbeprozess bereits eingesetzt hat und künstliche Ernährung hier das Leiden des Patienten sogar verlägern kann). Dennoch konfrontieren Ärzte und Heimleitungen die Angehörigen bzw. Betreuer nicht selten mit der moralisierenden Frage „Wollen Sie Ihren Verwandten verhungern lassen?“. Natürlich nicht aus bösem Willen, sondern meist aus Unkenntnis, dass künstliche Ernährung in manchen Fällen sogar kontraindiziert ist. Aufklärung tut bei diesem Thema also not.

Die komplexen Rechtsfragen rund um die künstliche Ernährung einwilligungsunfähiger Personen (v.a. Demenz- und Komapatienten) erläutert der Beitrag: „Darf man Patienten verhungern lassen?“ (hier). Dort finden sich am Ende des Artikels weitere Downloads, insbesondere das Entscheidungsdiagramm des Palliativexperten Prof. Dr. Borasio (Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin am Klinikum der Universität München).

Eine sehr informative Fundstelle zum Thema Ernährung von Demenzpatienten ist auch die Website www.nahrungsverweigerung.de, mit zahlreichen Links und Downloads. Der Autor Christian Kolb, Mitarbeiter des MDK Bayern, war viele Jahre Krankenpfleger und Ethikberater am Klinikum Nürnberg.

Noch konkretere Informationen, Ergebnisse wissenschaftlicher Studien und Handlungsempfehlungen zur Ernährung von alten und dementen Patienten finden sich auf der Website: Nutritionday in European Hospitals. Ein europaweites Gemeinschaftsprojekt unter der Federführung der Medizinischen Universität Wien und der Arbeitsgemeinschaft für klinische Ernährung. Anmerkung: Österreich ist Deutschland beim Thema Palliativmedizin übrigens weit voraus.

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Eine Antwort zu “Künstliche Ernährung am Lebensende: Sinnvoll?”

  1. Katholische Kirche verbietet Abschalten lebenserhaltender Apparate - Beitrag - Sterbehilfe-Info sagt:

    […] die Möglichkeit der künstlichen Ernährung (Details hier) können komatöse und appalische Patienten Jahre, im Extremfall Jahrzehnte, am Leben […]